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Alle deutschen Dramen an einem Abend
von Robert Löhr
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Kann man alle deutschen Dramen an einem Abend spielen? Man kann! Das Theater Ravensburg besinnt sich in seiner Produktion auf seinen Bildungsauftrag und verspricht einen Schnelldurchlauf durch die germanische Literatur. Klar, dass das nicht ohne leichte Kürzungen geht.

Da gibt es ein freudiges Wiedersehen mit schulischer Zwangslektüre, die man nie wieder sehen wollte; mit Klassikern, um die man bislang einen Bogen machen konnte – und mit Meisterwerken, vor denen man sich zeitlebens gefürchtet hat. Und natürlich fehlt auch das Nationaldrama des deutschen Volkes nicht: der Jedermann. – Ach, der ist aus Österreich? Siehste mal, wieder was gelernt.

Der geneigte Bildungsbürger wird so manches Zitat erkennen und wissend lachen – alle Proleten müssen sich leider aufs Lachen beschränken.

Denn natürlich verzichten die Ravensburger Reclam-Recken nicht auf Witz: Der Jedermann betritt die Brücke des Raumschiffs Enterprise, bei Brecht geben sich Special- und V-Effects die Klinke in die Hand -  und auch die Freunde des Puppentheaters kommen auf ihre Kosten: In Hebbels Nibelungen werden zwei Burgunderkaninchen versuchen, Siegfrieds Schwachpunkt zu finden und ihm eine angespitzte Karotte in den Rücken zu rammen. 

Alle deutschen Dramen an einem Abend – mit und ohne germanistische Vorbildung ein hochkultureller Hochgenuss.


mit Jutta Klawuhn, Ana Schlaegel; Ercan Altun, Alex Niess, Marco Ricciardo
Regie: Karsten Engelhardt / Bühne: Werner Klaus / Kostüme: Mechthild Scheinpflug / Assistenz: Sarah Kleiner